6 Tipps fürs E-Learning

Wie Studierende das Meiste aus Online-Kursen herausholen

 

Als wir vor zwei Wochen unseren letzten Blog-Beitrag veröffentlicht haben, sah die Welt für den Großteil von uns noch völlig anders aus. In der Zwischenzeit mussten sich Studierende vieler Universitäten auf reines E-Learning umstellen – zusätzlich zu den vielen weiteren Einschränkungen im Alltag. Die neue Situation gilt für die meisten Studierenden nun bereits seit einer Woche oder Sie tauchen jetzt erst neu nach einer verlängerten vorlesungsfreien Zeit in die E-Learning-Welt ein.

Als bekennender E-Learning-Junkie möchte ich meine eigenen Erfahrungen mit Online-Kursen mit Ihnen teilen. Zudem verrate ich Ihnen meine persönlichen Tipps, damit Sie das Maximum aus Ihren Online-Kursen herausholen können:

1. Rechnen Sie mit einer gewissen Umstellungszeit

Wenn Sie die natürliche Dynamik innerhalb eines Seminarraums schätzen und noch nie einen Online-Kurs belegt haben, kommt nun eine völlig neue Erfahrung auf Sie zu. Denn wenn man in einer anderen Umgebung lernt, fühlt sich das einfach anders an. Selbst wenn Sie wie zuvor Hausaufgaben oder -arbeiten erledigen müssen, können die fehlenden sozialen Kontakte, Spontanität und Feedback in Echtzeit eine größere Umstellung bedeuten als gedacht. Nicht nur Sie müssen sich an die neue Situation anpassen, sondern auch Ihre Dozenten. Sie wurden ebenfalls ins kalte Wasser geworfen. Denn sie mussten ihre Kurse schnell auf ein neues Format umgestalten. Diese Hauruck-Aktion macht es für Sie als Teilnehmer nicht gerade einfacher, zum E-Learning-Fan zu werden.

-> Mein Tipp:

Kurse, die für ein E-Learning-Format konzipiert sind, werden im Voraus sorgfältig geplant. Ihre Dozenten werden diese Zeit nicht gehabt haben und geben ihr Bestes, dass die Lernziele des Kurses doch erreicht werden können. Seien Sie aufgeschlossen und lassen Sie Ihren Dozenten etwas Zeit. Auch wenn zu Beginn nicht alles rund läuft, sollten Sie, Ihre Kommilitonen und Ihre Dozenten sich nach und nach immer wohler in diesem neuen Format fühlen.

2. Bleiben Sie motiviert

Für manche Lerntypen kann die Motivation beim E-Learning zur besonderen Herausforderung werden. Wenn man sich physisch im Seminarraum befindet, vor anderen abgefragt wird oder sich in Gruppendiskussionen einbringen kann, fühlen sich einige mehr in der Pflicht, sich auch wirklich mit den Inhalten zu beschäftigen..

-> Mein Tipp:

Selbst wenn Sie gerade nicht in einem Raum der Uni sind, können Sie sich auf andere Art motivieren und anspornen. Schalten Sie sich wöchentlich online mit einem Kommilitonen zusammen und fragen Sie sich gegenseitig ab. Oder posten Sie mindestens eine gut durchdachte Frage in der Diskussionsgruppe Ihrer E-Learning-Plattform. Nehmen Sie Kontakt mit Ihren Dozenten auf, um Ihre Fragen virtuell zu stellen. Um während einer langen Online-Vorlesung oder eines Webinars motiviert zu bleiben, machen Sie sich handschriftliche Notizen, um die Inhalte besser zu verstehen.

Mit zunehmender Erfahrung mit Online-Kursen wurde mir immer klarer, dass selbst wenn die Lernerfahrung zu wünschen übriglässt, die Verantwortung schlussendlich bei mir selbst liegt. Ich muss die Inhalte lernen und das Meiste für mich dabei herausholen. Erinnern Sie sich wieder daran, warum Sie den Kurs überhaupt belegen wollten. Das könnte Ihr angestrebter Abschluss sein, für den dieser Kurs Pflicht ist oder aber Ihre reine Leidenschaft für das Thema. Wenn Sie sich darauf konzentrieren, warum Sie den Kurs erfolgreich abschließen möchten, motiviert Sie das jeden Tag aufs Neue.

3. Lernen Sie Inhalte aktiv

Insbesondere wenn Sie auf Ihrem Computer sonst gerne Videos zum Spaß oder zur Unterhaltung anschauen, besteht die Gefahr, dass Sie aufgezeichnete Vorlesungen auf dieselbe Weise konsumieren wie eine Netflix-Doku. Erst bei der Prüfung wird Ihnen dann bewusst, dass Sie sich an kaum etwas erinnern können.

-> Mein Tipp

Im Gegensatz zur dynamischen Umgebung eines Seminarraums, in der Sie dazu gezwungen werden aufzupassen, kann das bei einer aufgezeichneten Vorlesung wirklich schwierig werden. Da helfen Strategien des aktiven Zuhörens. Nutzen Sie auch die Möglichkeit, bei der Aufzeichnung auf Pause zu drücken. Fassen Sie dann das Gehörte in eigenen Worten zusammen. Wenn Sie merken, dass das nicht funktioniert, schauen Sie sich diesen Teil der Aufzeichnung nochmal an.

Im wahrsten Sinne des Wortes aktiv schalten Sie sich selbst, indem Sie Ihre Webcam anschalten – dann haben Sie keine Chance, sich vom Smartphone ablenken zu lassen. Zusätzlich zu Ihren Notizen können Sie sich im Kurs einbringen, indem Sie Ihre Fragen im Chat schreiben oder sich an der Fragerunde beteiligen.

4. Trennen Sie Lernen von Freizeit

Die zeitliche Flexibilität eines Online-Kurses ist Fluch und Segen zugleich. Da Sie den Kurs zu jeder Zeit absolvieren können, kann der Übergang zwischen der Zeit, in der Sie lernen, und Ihrer Freizeit verschwimmen. Das kann auch bei Präsenzkursen passieren, aber bei diesen gibt es zumindest eine geographische Trennung zwischen Seminarraum und Wohnzimmer.

Wenn Sie immer Zuhause sind, könnten Sie während einer Vorlesung zu Abend essen oder Ihren Schreibfluss bei Ihrer Hausarbeit unterbrechen, um ein witziges Video anzuschauen. Das Ergebnis des Multitaskings ist, dass Sie noch mehr Zeit für Ihre Studienarbeit brauchen und Sie immer das Gefühl haben, dass Sie mehr tun könnten.

-> Mein Tipp

Planen Sie Ihr Semester im Detail durch, indem Sie Ihre Deadlines notieren und die Zeit einschätzen, die Sie für das Anschauen der Videos und Ihre Teilnahme an den Vorlesungen und Diskussionsrunden benötigen. Legen Sie in Ihrem Zeitplan ganze Blöcke fest, während derer Sie an Ihren Hausarbeiten schreiben oder sich auf Prüfungen oder Referate vorbereiten. Die Blöcke tragen Sie in Ihren Kalender ein. Dieser Blog-Beitrag gibt noch mehr Tipps, wie Sie Ihr Semester besser planen und organisieren können.

Schauen Sie sich jeden Morgen Ihren Zeitplan an und passen Sie ihn falls nötig an, aber halten Sie sich auch an Ihre festgelegten Zeitblöcke. Das bedeutet, das Sie zur nächsten Aufgabe übergehen, selbst wenn Sie die vorherige noch nicht fertiggestellt haben (vorausgesetzt die vorherige Aufgabe ist keine Abgabe, die in den kommenden Stunden fällig ist!). Es bedeutet auch, dass Sie sich nur auf die eine geplante Aufgabe konzentrieren sollten. Solche strikten Zeitblöcke benötigen etwas Übung und Disziplin. Die Belohnung ist aber, dass Sie am Abend Freizeit haben und das Gefühl los werden, noch mehr tun zu können.

Sie können sich selbst dabei helfen, sich während eines Zeitblocks voll und ganz auf die aktuelle Aufgabe zu konzentrieren – ohne Multitasking –, indem Sie in einem abgetrennten Bereich ohne Ablenkung arbeiten. Das ist leichter gesagt als getan, wenn Sie Mitbewohner haben. Sie könnten ein Signal setzen, dass Sie momentan beschäftigt sind, beispielsweise indem Sie Ihre Kopfhörer aufhaben. Vor eigener Ablenkung durch das Smartphone bewahren Sie die Tipps dieses Blog-Beitrags.

5. Mit endlosen Diskussionen umgehen

Wenn Sie in einem Seminarraum sind, werden von Zeit zu Zeit Diskussionen angefacht. In einer Online-Umgebung können Kommentare jedoch jederzeit gepostet werden, insbesondere wenn sich die anderen Kursteilnehmer in einer anderen Zeitzone befinden. Dabei kann das Gefühl entstehen, dass Sie immer online sein und Ihre Antwort schnell schreiben sollten, falls Ihre Beteiligung am Kurs benotet wird.

Ich erinnere mich, dass ich die Teilnahmevoraussetzung für meinen Einführungskurs ins Website-Design nicht nachvollziehen konnte. Da wir HTML lernten und das Ergebnis selbst sofort sehen konnten – ob es richtig war oder nicht – fühlte sich der Dialog darüber unnötig an. Ich hatte den Eindruck, dass ich Stunden damit verschwendete, die Kommentare anderer Leute zu lesen, in welchen ich besser wirklich gelernt hätte.

-> Mein Tipp

Um mit den vielen Kommentaren umgehen zu können, empfehle ich feste Zeiten, an welchen Sie nach neuen Kommentaren (oder auch E-Mails) schauen. Prüfen und kommentieren Sie beispielsweise einmal am Morgen, einmal rund um die Mittagszeit und einmal am Abend, kurz bevor Sie zur Freizeit übergehen. Bringen Sie sich nur in ausgewählte Diskussionen ein, anstatt zu versuchen, auf jede einzelne zu antworten.

Falls es Ihnen schwerfällt, sich an der Online-Diskussion zu beteiligen, denken Sie darüber nach, warum diese Diskussion Teil Ihres Online-Kurses ist – auch bei eher trockenen oder nüchternen Themen. Laut den Ergebnissen einer 2010 durchgeführten Meta-Analyse von Studien, die Online- und traditionelle Bildungsformen verglichen, waren Aktivitäten effektiv, bei welchen Studierende oder Schüler über das Gelernte nachdachten. Wenn Sie demnach nur kommentieren, wie schwer oder einfach die Übung war und warum, hilft Ihnen das bereits, die Informationen besser zu verarbeiten.

Wenn Sie sich als Teil einer Gemeinschaft fühlen, motiviert Sie das zusätzlich zum Lernen. Die besten Kurse, die ich nach meinem Studium belegt hatte, boten ein Diskussionsforum, eine Facebook-Gruppe oder ein anderes Format zum Austausch an. Wann war es für mich am schwierigsten mich zu motivieren? Bei den Kursen, in welchen ich komplett auf mich allein gestellt war.

Insbesondere in diesen schwierigen Zeiten, in welchen viele von uns Zuhause festsitzen, fühlen Sie sich durch den Kontakt zu Ihren Mitstudenten weniger isoliert. Dazu zählen nicht nur offizielle Gruppenchats des Kurses oder Diskussions-Boards. Probieren Sie Video-Anrufe mit Kommilitonen aus oder Online-Lern-Sessions. In der Not können Sie auch ein YouTube-Video abspielen, das jemand anderen beim Lernen zeigt. So holen Sie sich das Café- oder Bibliotheks-Gefühl nach Hause.

6. Bleiben Sie in Bewegung

Wenn Sie den ganzen Tag für einen Kurs an Ihrem Schreibtisch sitzen, werden Sie merken, dass Sie sich im Laufe dieses Tages recht wenig bewegen. Insbesondere, wenn Ihr Arbeitsplatz nicht sehr ergonomisch ist, kann es zu Rückenproblemen kommen (was ich – mit 25! – auf die harte Tour lernen musste). Zu wenig Bewegung kann sich auch negativ auf Ihre Stimmung auswirken, wodurch Ihr Enthusiasmus für Ihre Arbeit schwindet.

-> Mein Tipp:

Auch wenn Sie kein Profi-Sportler sind, bringen Sie Bewegung in Ihren Alltag. Bewegen Sie sich mindestens einmal pro Stunde. Mit leichten Sport-Übungen schaffen Sie sich auch eine sinnvolle Pause. Wenn Sie beispielsweise bei einem Kurs merken, dass Sie abdriften, machen Sie eine kurze 5-Minuten-Pause und gehen Sie im Raum umher oder machen Sie Dehnübungen. Anschließend gehen Sie die Inhalte mit neuer Energie frisch an.

Denken Sie auch daran, Ihre Schultern, Ihren Rücken und Ihre Beine zu stretchen, damit sich Ihre Muskeln nicht verkrampfen. Mit kleinen Herz-Kreislauf-Übungen wie Hampelmännern machen Sie ganz schnell etwas Gutes für Ihre Gesundheit und auch Ihr Gehirn. Suchen Sie online z.B. einfach nach “Bürogymnastik”.

Ich hoffe, diese Tipps helfen Ihnen etwas bei Ihren aktuellen Online-Kursen dieses Semesters und auch in Zukunft unter schöneren Umständen. Nutzen Sie Online-Kurse als Chance, aber setzen Sie sich nicht zu sehr unter Druck. Geben Sie Ihr Bestes in dieser schwierigen Zeit. Falls Sie Hilfe oder Unterstützung benötigen, melden Sie sich bei uns!

Was halten Sie von unseren Tipps? Können Sie Ihre eigenen Tipps ergänzen? Teilen Sie Ihre Meinungen und Tipps mit uns und anderen Lesern des Blogs auf Facebook.

Erstellt von: Jennifer Schultz – Veröffentlicht am: 24.03.2020
Tags: Zeit managen Besser arbeiten


Über Jennifer Schultz

Jennifer Schultz ist die einzige Amerikanerin im Citavi-Team, was ihr ihre Kollegen aber (normalerweise) nicht verübeln. Ihre Leidenschaft, Wissenschaftler bei ihrer Arbeit zu unterstützen, brachte ihr einen erfolgreichen Studienabschluss. Sie mag es aber auch, schwierige Sprachen zu lernen, draußen in der Natur zu sein und ihre Nase in ein Buch zu stecken.

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