Auf den Punkt gebracht

Mit Zusammenfassungen komplizierte wissenschaftliche Texte besser verstehen

 

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Am Montag Morgen fragte mich mein Kollege wie immer danach, was ich Schönes am Wochenende unternommen hatte. Ich antwortete: “Ich war auf der Party einer Freundin.”

Das ist alles. Mein ganzes Wochenende in nur sieben Wörtern.

Eine solche kurze Antwort ist im Alltag ganz normal. Aber warum? Warum habe ich nicht davon angefangen, was passierte, als ich Samstagfrüh aufwachte? Warum habe ich nicht erzählt, dass ich aufgestanden bin, mir einen Kaffee gekocht, aktuelle Nachrichten gelesen, geduscht und Zähne geputzt habe? Warum habe ich nur die Party erwähnt, zu der ich erst abends ging?

Weil ich meinen Kollegen damit zu Tode gelangweilt hätte. Er hätte vermutlich irgendwas von E-Mails gemurmelt und wäre schnell hinter seinem Schreibtisch verschwunden. Meine alltäglichen Routineaufgaben hätten ihn einfach nicht interessiert. Deshalb habe ich ihm eine kurze Zusammenfassung meines Wochenendes gegeben. Das bedeutete in dem Fall, dass ich ihm nur die für ihn relevanten Informationen gab und unnötige Details ausließ.

Dieses Beispiel zeigt, dass wir ständig intuitiv Zusammenfassungen erstellen. Wenn Sie jemanden von dem Film erzählen, den Sie gestern im Kino gesehen haben, fassen Sie dessen Handlung zusammen. Oder wenn Sie jemanden fragen, wie der Urlaub war, werden Sie nur die Highlights erfahren.

Zusammenfassungen spielen aber nicht nur in Gesprächen im Alltag eine wichtige Rolle.
In verschiedenen Kommunikationsmedien oder -situationen stoßen Sie auf Zusammenfassungen: Management summaries, Infografiken, Abstracts, Briefings, etc.

Geradezu lustig, dass diese intutitive Aufgabe so schwierig erscheint, wenn Sie beim wissenschaftlichen Arbeiten an Sie gestellt wird. Eine Zusammenfassung von Argumenten, die Sie in einem Aufsatz einer Fachzeitschrift gelesen haben, fällt Ihnen erstaunlich schwer.


Was genau ist eine Zusammenfassung?

Der Kern einer Zusammenfassung ist, dass Sie ein Ereignis, einen Text oder eine Idee entweder auf dessen Hauptideen kürzen oder darauf, was für das bestimmte Publikum am relevantesten ist. Wenn Sie einen akademischen Text für sich selbst oder andere zusammenfassen, sollte Ihr Ziel sein, die Hauptideen und Details des Textes in Ihren eigenen Worten kurz und bündig wiederzugeben. Sie lassen dabei alles aus, was für das Verständnis des Textes als Ganzes nicht wesentlich ist. Im Grunde genommen wählen Sie die wichtigsten Punkte aus und lassen alles weg, was nicht wichtig ist. Das mag einfach klingen. In wissenschaftlichen Artikeln finden Sie jedoch viele unbekannte Begriffe, komplexe Satztrukturen und verworrene Sprache. Deshalb ist es nicht immer einfach, herauszufinden, worauf der Autor genau hinaus will.


Warum sollten Sie wissenschaftliche Texte zusammenfassen?

Obwohl es schwierig sein kann, die wichtigsten Ideen eines wissenschaftlichen Artikels zu identifizieren, ist diese Aufgabe eine notwendige Voraussetzung für das Schreiben einer Forschungsarbeit. Sie können sich Zusammenfassungen als eine Brücke zwischen dem Lesen fremder und Schreiben eigener Texte vorstellen.
Um einen Text schriftlich zu analysieren, müssen Sie ihn zuerst beim Lesen verstanden haben. Um ihn zu verstehen, muss Ihnen schon, während Sie ihn lesen, klar sein, was die Hauptpunkte sind.
Worum geht es in dem Artikel?
Welche wesentlichen Ergebnisse präsentiert er?
Wer waren die Studienteilnehmer und warum wurden sie ausgewählt?
Auf diese Weise fassen Sie gedanklich die Hauptpunkte des Textes zusammen.

Die meisten Menschen erstellen auf diese Weise unbewusst Zusammenfassungen. Es ist jedoch von Vorteil, wenn Sie sich diese Aufgabe bewusst, beispielsweise beim Lesen eines Zeitschriftenaufsatzes, stellen.
Dadurch können Sie überprüfen, ob Sie ihn tatsächlich verstanden haben. In umfangreichen akademischen Texten ist es allzu einfach, die Gedanken schweifen zu lassen und plötzlich zu erkennen, dass man auf der letzten oder zweiten Seite eigentlich nichts "gelesen" hat. Wenn Sie feststellen, dass Ihnen das oft passiert, machen Sie es sich zur Gewohnheit, aus dem Text aufzuschauen. Versuchen Sie nun, die Hauptideen des letzten Abschnitts laut oder in Ihrem Kopf zu wiederholen. Wenn Ihnen das nicht gelingt, haben Sie den Abschnitt wahrscheinlich nicht verstanden. Kehren Sie zu ihm zurück und lesen Sie ihn erneut.

Für wichtige Texte, die Sie für eine Klausur kennen sollten, können Sie Ihre persönliche Zusammenfassung verfassen. So greifen Sie auch später direkt auf diese Kernpunkte zurück, anstatt den Artikel im Detail noch einmal lesen zu müssen. 

Der Vorgang des Zusammenfassens, unabhängig davon, ob er laut, auf Papier oder in Ihrem Kopf erfolgt, hat den zusätzlichen Vorteil, dass Sie sich besser daran erinnern können, was Sie gelesen haben. Dafür gibt es einige Gründe. Zum einen zwingt man sich, sich aktiv mit dem Text auseinanderzusetzen, anstatt ihn passiv aufzunehmen. Zum anderen ist unser Gehirn nicht gut darin, sich viele komplexe, neue Informationen auf einmal zu merken. Studien haben gezeigt, dass wir nur drei bis fünf Informationen gleichzeitg im Arbeitsspeicher halten können. Wenn Sie also einen ganzen Artikel auf ein paar Sätze herunterkürzen, ist es wahrscheinlicher, dass Sie sich an dessen wichtigste Punkte erinnern werden.


Wie fassen Sie schwierige Texte besser zusammen?

Die einfache Antwort ist.... üben!  Obwohl das Schreiben einer Zusammenfassung Zeit in Anspruch nimmt, gilt: Haben Sie sich erst daran gewöhnt, aktiv während Sie lesen zusammenzufassen, erstellen Sie mit der Zeit intuitiv in Ihrem Kopf Zusammenfassungen beim Lesen.

Am Anfang ist es auch hilfreich, Ihre Zusammenfassungen mit denen eines Freundes zu vergleichen. Beispielsweise wenn Sie einen Artikel für einen Kurs lesen müssen, vergleichen Sie Ihre Zusammenfassungen mit denen Ihrer Kommilitonin oder diskutieren Sie über die aus Ihrer jeweiligen Sicht zentralen Punkte.

Ein zusätzlicher Vorteil, wenn Sie besser beim Zusammenfassen werden:
Sie werden auch besser beim Schreiben, da Sie erkennen, ob die Hauptpunkte in Ihrem eigenen Text auftauchen oder nicht.


Speichern Sie Zusammenfassungen in Ihrem Literaturverwaltungsprogramm

Wenn Sie an einer längeren Forschungsarbeit arbeiten und bereits eine Software zur Literaturverwaltung verwenden, um den Überblick über Ihre Quellen zu behalten, speichern Sie Ihre Zusammenfassungen ebenfalls darin. Auf diese Weise müssen Sie Ihre Texte später nicht erneut lesen, wenn Sie auf sie zurückgreifen möchten.

Fast alle Literaturverwaltungsprogramme verfügen über ein Notizfeld, in dem Sie Zusammenfassungen und andere Notizen speichern können. Möchten Sie Zusammenfassungen gesondert verwalten, bietet Citavi ein spezielles "Zusammenfassung"-Wissenselement an. Um es zu verwenden, können Sie eine Textpassage markieren, eine Kernaussage (eine Art Zusammenfassung Ihrer Zusammenfassung) eingeben und dann die Hauptpunkte und Details des Absatzes erfassen. So fällt es Ihnen leicht, Ihre Zusammenfassungen von wörtlichen Zitaten, indirekten Zitaten, Kommentaren und Ihren eigenen Ideen zu unterscheiden. Weitere Informationen zu diesen Optionen finden Sie in unserem PDF-Leitfaden zur Annotation in Citavi.


Wir hoffen, dass dieser Artikel Sie inspiriert, mit Zusammenfassungen Ihr Leseverständnis zu verbessern!

Welche Strategien haben Sie, um schwierige akademische Texte besser zu verstehen?

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Erstellt von: Jennifer Schultz – Veröffentlicht am: 06.11.2018
Tags: Besser arbeiten Schreiben


Über Jennifer Schultz

Jennifer Schultz ist die einzige Amerikanerin im Citavi-Team, was ihr ihre Kollegen aber (normalerweise) nicht verübeln. Ihre Leidenschaft, Wissenschaftler bei ihrer Arbeit zu unterstützen, brachte ihr einen erfolgreichen Studienabschluss. Sie mag es aber auch, schwierige Sprachen zu lernen, draußen in der Natur zu sein und ihre Nase in ein Buch zu stecken.

"Nützliche Irrtümer", der Blog von Citavi, bietet Nützliches und Unterhaltsames aus der Welt der Wissenschaft und Wissensorganisation.