Danksagungen in wissenschaftlichen Arbeiten

Wem wir aus welchen Gründen danken

Bild: Canva.com

Als mich ein Citavi-Nutzer stolz darüber informierte, dass er seine Dissertation erfolgreich abgeschlossen hatte und ich durch meine Arbeit im Citavi-Support-Team dazu beitragen konnte, freute ich mich sehr! Regelrecht gerührt war ich, als er mir dann noch verriet, dass er mich sogar in seiner Danksagung erwähnt hat – namentlich! Mein Name stand in einer langen Liste vieler Namen, denn seine Danksagung war ziemlich lang. Das scheint ein allgemeiner Trend zu sein. Neben Personen wird in Danksagungen auch Einrichtungen gedankt, die beispielsweise das Forschungsvorhaben gefördert oder den Zugang zu Forschungsgeräten ermöglicht haben. Der Inhalt einer Danksagung gibt viel über die Person, die die Arbeit verfasst hat, preis. Man lernt das Umfeld, das kollegiale Netzwerk und manchmal auch die Familie der Autorin kennen.

Da mir zuvor noch nie persönlich in einer wissenschaftlichen Publikation gedankt wurde, habe ich mir die Frage gestellt, welche Gründe es generell gibt, bestimmte Personen in einer Danksagung zu erwähnen. Auf folgende Gründe bin ich bei meiner Überlegung und Recherche gestoßen:

Währung für erhaltene Leistungen

Es stimmt, dass ich viel Zeit in die Beantwortung der Fragen des Citavi-Nutzers gesteckt habe. Bezahlt hatte er diesen Service aber bereits durch seine Lizenzgebühren für die Software. Ich hatte ihm meine Arbeitszeit im Support einer wissenschaftlichen Software gewidmet, aber auch seine Fachkollegin investierte ihre knappe Zeit, als sie Entwürfe seiner Arbeit Korrektur las. Wird seine Arbeit ein großer Erfolg (im Sinne einer Arbeit, die häufig zitiert wird), gewinnt auch ihr Name an Reputation. Denn sie hat zum Erfolg der Arbeit beigetragen.
Neben Zeit für das Korrekturlesen gibt es auch andere Leistungen, die mit einer Nennung in den „Acknowledgements“ entlohnt werden. So werden auch Personen genannt, die für die praktische Forschungsarbeit Unterstützung geleistet haben, beispielsweise ihr Wissen geteilt, den Zugriff auf unveröffentlichte Arbeiten ermöglicht, die nötige Technik bereitgestellt oder bei der Arbeit technisch assistiert haben. Dennoch war die Mitarbeit all deren Menschen nicht groß genug, um formal als Autoren der Arbeit zu gelten.

Emotionale Gründe

Vielleicht spürte der Citavi-Nutzer auch, dass ich beim Beantworten seiner Fragen nicht nur meiner Arbeit nachging, sondern wirklich emotional involviert war und mir extra viel Mühe gab, da er sehr freundlich um Hilfe und Unterstützung bat. Diese „emotionale Währung“ zurückzuzahlen war über die Danksagung optimal möglich.
Auch die Unterstützung der Familie oder durch Gott als moralische Hilfe sowie auch Entschuldigungen für die Entbehrung werden in Danksagungen genannt. Die Personen, welchen gedankt wird, erhalten dadurch die nötige Anerkennung und Belohnung.

Neben Dankbarkeit kann auch die Rache dazu anstacheln, einem Menschen zu danken. Wenn man die Motivation für die Arbeit daraus zog, aus einer unangenehmen Situation oder Beziehung zu entfliehen, kann auch dies nicht unerwähnt bleiben. Jan Plamper erwähnt in seinem Artikel in „Die Zeit“ eine Danksagung einer Doktorarbeit aus dem Jahr 1986, die lautete: „Dieses Buch hätte gut ohne sie geschrieben werden können; es wäre nur eher fertig geworden.“

Pflege des Netzwerks

Wenn Sie die großen Namen Ihres Fachs in Ihrer Danksagung erwähnen, da diese Sie beispielsweise zu Ihrer Arbeit inspiriert haben, stellen Sie eine Nähe zu diesen Personen her, denen Sie huldigen. Dadurch vergrößert sich Ihre eigene Bedeutung, Sie bringen sich ins Gespräch. Denn man könnte auf Ihren Namen aufmerksam werden, wenn nach Publikationen der Koryphäe recherchiert wird (falls man eine Freitextsuche durchführt, die auch Acknowledgements indiziert).

Nicht nur Ihr anvisiertes Netzwerk wird auf diese Weise gepflegt, sondern auch Ihr bereits existentes Netzwerk aus Kollegen, mit welchen Sie die Arbeit gemeinsam verfasst haben, oder der Betreuerin Ihrer Arbeit. Dadurch dass die internationale Kooperationen und Kollaboration in großen Teams immer mehr zunehmen, gibt es auch viele Personen, die erwähnt werden möchten. Wenn Sie für Ihre Teamarbeit noch ein Werkzeug für das gemeinsame Lesen, Kommentieren und Zitieren Ihrer Publikation benötigen, legen Sie doch ein Citavi Cloud-Projekt an.

Strategische Gründe

Katherine McCain von der Drexel University in Philadelphia beschreibt laut Plamper in der Zeit, wie die machtpolitischen Interessen, die hinter einem Lob eines Kollegen stecken könnten, auf die Spitze getrieben werden. Indem der Name des Konkurrenten in der Danksagung genannt wird, kann diese Person nicht zum Rezensenten der Arbeit werden. Denn er oder sie gilt als befangen. So schützt man sich vor Kritik.

Es ist bei einer persönlichen Danksagung optimistisch gedacht davon auszugehen, dass hinter den meisten Nennungen von Personen positive Absichten stecken. Das kann bis zum Heiratsantrag wie in diesem Artikel gehen.

Bedingung von Förderprogrammen

Die Angaben dazu, welche Organisation ein Forschungsvorhaben gefördert hat, ist häufig Teil der Förderungsbedingungen. Seitdem Danksagungen seit 2008 auch in Datenbanken wie dem Web of Science und später auch in Scopus und PubMed enthalten sind, lassen sich Analysen über Förderorganisationen durchführen. Beispielsweise lässt sich ermitteln, in welchem Land die meiste Förderung von Forschungsvorhaben betrieben wird oder ob die Förderung durch den Staat oder Privatorganisationen erfolgt. Im Gegensatz zu Zitationssrichtlinien wie APA (zumindest im amerikanischen Raum) gibt es allerdings noch keine Konventionen für die Formulierung von Danksagungen. Das macht auch deren Analyse schwierig.

 

Danksagungen haben bisher zu wenig Beachtung gefunden. Möglicherweise liegt das auch daran, dass diese nicht verpflichtend sind, wie es die Angabe von Zitaten ist. Der Hinweis des Kollegen, der mir zum Durchbruch verholfen hat, kann leider nicht als Zitat angegeben werden, aber qualifiziert meinen Kollegen auch nicht zum Autor. Seine große Hilfe kann ich also nur in meiner Danksagung honorieren. Insbesondere historisch betrachtet hätten viele Ehefrauen mehr Anerkennung - durch die Nennung als Autorin - verdient, wie in diesem Artikel zum zynisch gemeinten Hashtag #ThanksForTyping schön beschrieben wird.

Wir finden: Die Inhalte von Danksagungen sollten zukünftig mehr Beachtung in der Bewertung der wissenschaftlichen Reputation finden.

 

Fallen Ihnen weitere Gründe ein, warum man andere Personen in einer Danksagung erwähnt? Wem haben Sie in Ihrer wissenschaftlichen Publikation gedankt? Über Ihre Kommentare und Ideen freuen wir uns per Mail an blog@citavi.com oder als Kommentar unter unserem Facebook-Posting dieses Blog-Beitrags.

 

Zur Vertiefung:

Bangani, Siviwe; Mashiyane, Dina; Moyo, Mathew; Makate, Glenda (2020): In/gratitude? Library acknowledgement in theses and dissertations at a distinguished African university. In: Library Philosophy and Practice (3596). Online verfügbar unter https://core.ac.uk/download/pdf/286730465.pdf.

Díaz-Faes, Adrián A.; Bordons, María (2017): Making visible the invisible through the analysis of acknowledgements in the humanities. In: Aslib Journal of Information Management (AJIM) 69 (5), S. 576–590. DOI: 10.1108/AJIM‐01‐2017‐0008.

Lakshman, Deepika; Devi, Mini (2020): Analyzing the funding and personal acknowledgements of the publications of the University of Kerala during 2001-2018. In: Annals of Library and Information Studies (ALIS) 67 (3). Online verfügbar unter http://nopr.niscair.res.in/handle/123456789/55503.

McCain, Katherine W. (1991): Communication, Competition, and Secrecy: The Production and Dissemination of Research-Related Information in Genetics. In: Science, Technology, & Human Values 16 (4), S. 491–516. Online verfügbar unter http://www.jstor.org/stable/689805.

Plamper, Jan (2008): Danke, danke, danke. In: Die Zeit, 24.07.2008. Online verfügbar unter https://www.zeit.de/2008/31/PS-Danksagung, zuletzt geprüft am 11.05.2021.

Erstellt von: Jana Behrendt – Veröffentlicht am: 18.05.2021
Tags: Gut zu wissen


Über Jana Behrendt

Jana Behrendt interessiert sich für alles rund um die persönliche Wissensorganisation – wie man es von einer studierten Bibliothekarin erwarten würde. Dafür liest sie in Ihrer Freizeit ziemlich wenig. Sie liebt es aber, in den Schweizer Bergen zu wandern – solange sie nicht nach unten schauen muss.

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